Montag, 2. Mai 2016

Auszug aus meiner Rezension zum Werk von Babette Kaiserkern: "Luigi Boccherini. Leben und Werk – Musica amorosa"

Im April veröffentlichte die Zeitschrift "Die Tonkunst" meine erste Literaturkritik. Leider kann ich nicht die gesamte Rezension im Blog publizieren, da mir die Musikzeitschrift nur eine Textwiedergabe in Auszügen ermöglicht.

(Auszug aus: "DIE TONKUNST, April 2016, Nr. 2, Jg. 10 (2016), ISSN: 1863-3536, S. 211-213".)

Luigi Boccherini und seine Zeitgenossen

Die Journalistin und Musikwissenschaftlerin Babette Kaiserkern veröffentlicht die erste umfangreiche deutschsprachige Biographie über den italienischen Komponisten und Cellisten der vorklassischen Epoche.

Von Matthias Dickel, M.A.

 Zu Lebzeiten gehörte Luigi Boccherini zu den bedeutendsten europäischen Komponisten und virtuosesten Cellisten. Seine Werke wurden an italienischen, französischen und spanischen Adelshöfen geschätzt, und selbst der preußische König Friedrich Wilhelm II. konnte sich dem Charme dieser facettenreichen und effektvollen Musik nicht entziehen. Der französische Violinist Violinist Jean-Baptiste Cartier verneigte sich vor dem Schaffen seines Zeitgenossen mit folgenden Worten: >>Wollte Gott zu den Menschen in Musik sprechen, so täte er es mit den Werken Haydns; doch wenn er selbst Musik hören wollte, würde er sich für Boccherini entscheiden.<< [...]

Doch welche Person verbirgt sich hinter dem namenhaften Künstler? Einen ersten Anstoß zur Beschäftigung mit diesem Komponisten, gibt die vor einigen Monaten erschienene Biographie >>Luigi Boccherini. Leben und Werk. Musica amorosa<< von Babette Kaiserkern. [...]

Kaiserkern teilt ihr Werk über den Komponisten Boccherini ganz klassisch in eine Lebens- und Werkgeschichte auf. Eine solche Trennung hat den Vorteil, dass dem Leser die musikalischen Werke und Gattungsschwerpunkte im zeitlichen Ablauf des schöpferischen Lebens erläutert und analysiert werden können. Für den musikwissenschaftlichen Laien wird eine ausführliche Werkhistorie nicht im Mittelpunkt seines Interesses stehen, zumal eine Verwendung einer musikwissenschaftliche Terminologie einer leichten Rezeption der Biographie eher hinderlich ist.

In den werkhistorischen Abschnitten öffnet sich dem Leser die Vielfalt des künstlerischen Schaffens Boccherinis. Die Autorin beschreibt mit vielen Detailkenntnissen die Besonderheiten der jeweiligen Kompositionen und zeigt darüber hinaus noch Querverbindungen zu den musiktheoretischen Diskussionen der Zeit auf. Gerade in der sorgfältigen Analyse der einzelnen Stücke liegt die Stärke dieser Biographie über Boccherini, wobei einschränkend gesagt werden muss, dass sich durch den wiederholenden Gebrauch von positiv wertenden Adjektiven („grandios“, „ornamental“, „graziös“, „verspielt“, „heroisch“, „pittoresk“) der Eindruck einer unkritischen Analyse ergeben kann.

Kaiserkern versucht den verschiedenen Lebensabschnitten des Komponisten bestimmte Arbeitsschwerpunkte zuzuordnen. Sie konzentriert sich hierbei auf die musikalische Gattung als Strukturierungsmerkmal. Doch gelingt es ihr nicht immer plausibel darzulegen, warum gerade eine bestimmte musikalische Gattung zeitlich mit einer bestimmten Schaffensperiode des Komponisten verbunden ist. Beispielsweise hätte das Kapitel über die >Streichquartette< genauso gut am Anfang oder zum Ende des Buches stehen können, denn Boccherini komponierte in der Zeit zwischen 1760 bis 1804 insgesamt 91 Werke dieser Gattung. Auch ergeben sich durch dieses Vorgehen logische Brüche in den Übergängen zwischen den lebens- und den werkgeschichtlichen Kapiteln, wenn sich in den werkgeschichtlichen Abschnitten Vor- oder Rückgriffe auf die einzelnen Abschnitte der Lebensgeschichte des Künstlers ergeben.

Im Gegensatz zum Untertitel des Werkes >Leben und Werk< schmälert die Autorin in der Einleitung die Erwartungen ihrer Leser. Es handelt sich bei dem Werk um einen Versuch einer >biographischen Skizze<, denn die wenigen Primärquellen erschweren eine Rekonstruktion des Lebenswegs Boccherinis. Dieses Manko umgeht die Autorin durch eine Beschreibung des sozialen und kulturellen Umfeldes des Komponisten. In den Kapiteln zur Lebensgeschichte dominieren kleine Porträts zu den Mäzenen und musikalischen Zeitgenossen des Komponisten. Der Leser erfährt durch dieses Vorgehen mehr über soziale Umwelt des Komponisten als über ihn selbst. Erst ab der Mitte der Biographie schwenkt in wenigen Kapiteln das Verhältnis zugunsten des Komponisten. Es ist zwar verständlich, dass die Biographie sich aufgrund der Quellenlage ins Fragementarische verläuft und Fragen offenlässt. Dennoch überwiegt der Eindruck, dass die Autorin in Boccherini eher eine Nebenfigur sieht als den eigentlichen Protagonisten.

Andererseits eröffnen die historischen Exkurse dem musikalischen Laien ein ausführliches Panorama der vorklassischen Epoche. Die Autorin hat für diese Biographie vorbildliche Quellenarbeit geleistet und aktuelle Forschungsergebnisse berücksichtigt, Die überzeugend klare Sprache der Autorin hält das Interesse an der Biographie des italienischen Komponisten wach und glättet manche erzählerischen Schwächen des Werkes. Einige Abschnitte hätten aus der Erzähllogik heraus durchaus anderen Abschnitten zugeordnet werden können, um einen schlüssigeren Erzählfluss herzustellen. Auch finden sich im Text zahlreiche Wiederholungen von Textstellen, die schon in vorangegangenen Abschnitten angeführt worden sind. Dem Leser, der sich mit Leben und Werk des Komponisten vertraut machen möchte, bietet die Monographie einen gut lesbaren Überblick. Für eine Biographie fehlt es dem Werk an Mut zur hermeneutischen Durchdringung der Akteure und ihrer Beziehungen zueinander und an erzählerischer Stringenz.

Bibliografische Angabe: Babette Kaiserkern: Luigi Boccherini. Leben und Werk Musica amorosa. Weimarer Verlagsgesellschaft 2014. 268 S., 28 €. EAN: 978-3-7374-0213-2

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Kubas bekanntester Autor wird 60

Morgen feiert der kubanische Schriftsteller Leonardo Padura seinen sechzigsten Geburtstag. Bekannt wurde Padura durch seine Kriminalromane um den Polizeikommissar Mario Conde, mit denen er auch international Erfolge feiern konnte. Seine Werke umfassen zudem weitere Romane, Erzählbände, Reportagen und Interviews.

Im Jahre 2012 wurde er mit dem kubanischen Nationalpreis ausgezeichnet. Auch in Europa würdigte die literarische Welt seine Erzählkunst: 2013 wurde ihm in Frankreich der "Ordre des Arts et des Lettres" verliehen und in diesem Jahr folgte der angesehene "Prinzessin-von-Asturien-Preis für Literatur".

Der Unionsverlag veröffentlichte in diesem Jahr das neuste Werk des kubanischen Schriftstellers: "Die Palme und der Stern". Ein Roman über die Geschichte seines Heimatlandes Kuba und das Leben zweier Schriftsteller aus unterschiedlichen Epochen.



Mittwoch, 26. Juni 2013

Wigbert - Fragment einer Erzählung

Wigbert
Eine Erzählung

I

Es war der erste Frühlingssonntag, als sich Wigbert in seinen Garten begab, den er in Zeiten der Suche nach künstlerischer Inspiration besuchte. Die Sonne zeigte sich in ihrer mittäglichen Him­melsstellung, die Bienen und Hummeln umschwärmten die erblühten Kelche der Rosen und der Wind hauchte den Bäumen und Sträuchern eine sanfte Lebensbewegung ein. Wigbert suchte in dem Moment dunkler Vorahnung diese Stille der Natur. Er sog mit einem langen Aufblähen seines Brustkorbes den süßen Duft der Blumen und des frischen Grases in seine Lungen – und sein ganzer Körper fiel in eine Entspannung, die ihn eins werden lies mit der in sich ruhenden Leichtigkeit seiner Umgebung. [...]